Nationalrat sendet falsches Signal in der Alkoholpolitik

Das Blaue Kreuz Schweiz kritisiert den heutigen Entscheid des Nationalrates, die Motion 25.4153 «Marschhalt bei neuen Empfehlungen zum mässigen Alkoholkonsum» von Ständerat Würth angenommen zu haben. Der Beschluss stellt die Interessen der Alkoholwirtschaft über den Schutz der öffentlichen Gesundheit und relativiert fälschlicherweise die wissenschaftlich belegten Risiken des Alkoholkonsums.

 

Alkohol ist kein gewöhnliches Konsumgut. Er ist krebserregend, macht abhängig und verursacht jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund CHF 2.8 Milliarden, 1’600 Todesfälle, 1’700 Neugeborene mit alkoholbedingten Schäden, 300’000 Alkoholabhängige, 100’000 Kinder von Eltern mit einer Alkoholabhängigkeit sowie 200 Krankheiten in Verbindung mit Alkohol. Mitbetroffen sind Kinder und Angehörige, meist Frauen. Trotzdem will die Mehrheit des Nationalrates mit 106 zu 75 Stimmen bei 13 Enthaltungen die Information über Risiken bremsen, aus Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen.

“Die Motion vermittelt den Eindruck, die Wissenschaft sei sich über die gesundheitlichen Folgen von Alkohol uneinig. Dies entspricht nicht den Erkenntnissen der Fachwelt.” weiss Marc Peterhans, Geschäftsführer beim Blauen Kreuz Schweiz. Internationale und nationale medizinische Fachgremien halten immer wieder fest, dass Alkoholkonsum gesundheitliche Risiken birgt und keine risikofreie Konsummenge bekannt ist. Dies tat im März dieses Jahres auch die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN).

Das Blaue Kreuz kritisiert insbesondere, dass mit Verweis auf einzelne Studien Zweifel an der breiten wissenschaftlichen Evidenz gestreut werden. Die in der Motion erwähnte UNATI-Studie kann und wird keine neuen Grundlagen zur Frage liefern, ob Alkohol gesund oder ungesund ist. Sie untersucht vielmehr den Einfluss von Beratungsangeboten auf das Trinkverhalten und die Gesundheit.

«Die Bevölkerung hat Anspruch auf transparente und wissenschaftlich fundierte Informationen zu den Risiken von Alkohol», bekräftigt Peterhans. «Wer Prävention verzögert oder relativiert, riskiert gesundheitliche Schäden – insbesondere bei jungen Menschen.»

“Das Blaue Kreuz erwartet vom Bundesrat, dass er sich weiterhin an evidenzbasierte Präventionsarbeit ausrichtet und gesundheitspolitische Empfehlungen unabhängig von wirtschaftlichen Interessen vorgibt.” hält Peterhans weiter fest. “Die Bevölkerung soll informierte Entscheidungen treffen können, dazu gehört auch eine klare Kommunikation über Risiken.”

 

Kontakt:

Martin Bienlein, Mediensprecher

martin.bienlein(at)blaueskreuz(dot)ch